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22.7.2017 : 6:48 : +0200

Berufsvorbreitungsjahr

Autor: J. Crivellaro
Bilder: J. Crivellaro
Video: J. Crivellaro

WIE BEWIRBT MAN SICH UM EIN BERUFSVORBEREITUNGSJAHR (BVJ)?

Staatliches Berufsbildungszentrum und Medizinische Fachschule
36433 Bad Salzungen, Lindigallee 1
Tel. 03695-69280 / FAX 03695-692819

INFOS

Wenn du ein BVJ besuchst, gehst du in eine Berufsschule. Neben dem normalen Unterricht kannst du auch praktisch arbeiten. Somit hast Du die Möglichkeit, dich intensiv auf deine spätere Berufsausbildung vorzubereiten.

Damit dieses dir möglichst gut gelingt, arbeitet die Berufsschule mit vielen Kooperations-partnern wie:

  • Sozialpädagogen,
  • Berufsberatern der Agentur für Arbeit,
  • ausgewählten Praktikumsbetrieben und
  • sozialen Netzwerken

zusammen.

In der Regel machst du 2 Betriebspraktika. Während des Praktikums hast du Gelegenheit Ausbildungsbetriebe kennenzulernen, einen guten Eindruck zu hinterlassen und Kontakte zu knüpfen!

Fit für den Beruf

WER KANN EIN BERUFSVORBEREITUNGSJAHR (BVJ) MACHEN?

Das BVJ ist vor allem dann für dich gut, wenn du schlechte Bewerbungschancen hast, weil es in der Schule nicht gut gelaufen ist.

Wenn du ohne Hauptschulabschluss bist, ist das BVJ für dich genau das Richtige.

 Nach 9 Vollzeitschuljahren kannst du in das BVJ wechseln und hier das 10. Vollzeitschuljahr erfüllen. Schüler, die bereits die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, können zum Erlangen des Hauptschulabschlusses auch nach dem 10. Vollzeitschuljahr ins BVJ aufgenommen werden.

WAS BRINGT MIR DAS BERUFSVORBEREITUNGSJAHR?

Je nachdem, welche Voraussetzungen du mitbringst, kann dir das Berufsvorbereitungsjahr viel bringen:

  • Du kannst den Hauptschulabschluss erwerben.
  • Du erfüllst deine Schulpflicht und kannst dir danach einen ganz normalen Job suchen, ohne dass du noch weiter zur Schule gehen musst.
  • Du kannst schulische Wissenslücken schließen. (z.B.: in Mathematik und Deutsch)
  • Du erhältst Einblick in verschiedene Berufe und kannst so deine Berufswahl treffen oder überprüfen.
  • Du qualifizierst dich in mindestens 2 beruflichen Bereichen und erhöhst so deine Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
  • Du erwirbst die Ausbildungsreife.

RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DAS BERUFSVORBEREITUNGSJAHR

Projekte im Unterricht werden in modern ausgestatteten Fachräumen durchgeführt. Fachlehrer helfen dir beim Erwerb notwendiger fachtheoretischer Kenntnisse sowie fachpraktischer Fertigkeiten. Der Unterricht findet in kleinen Lerngruppen statt. Dadurch kann jeder Schüler entsprechend seiner Fähigkeiten beim Lernen unterstützt werden.

Schreiben am ActivBoard
Fachkabinett Metalltechnik

WAS UNTERSCHEIDET DEN BVJ-UNTERRICHT VOM “THEORETISCHEN UNTERRICHT“ AN EINER FÖRDER-, HAUPT- ODER REALSCHULE?

Projektunterricht als “Schlüssel“ für Erfolge!

Erfolge sind wichtig, motivieren und machen “gewolltes“ Lernen wieder möglich.  

Verborgene praktische Fähigkeiten werden erkannt, entwickelt und ausgebaut.

WELCHE BEREICHE GIBT ES BEIM BERUFSVORBEREITUNGSJAHR (BVJ)?

Das BVJ kann man in unterschiedlichen Fachbereichen absolvieren, zum Beispiel:

Metall

  • Fertigungsverfahren erlernen.
  • Metall bearbeiten, Werkzeuge und Maschinen fachgerecht einsetzen.
  • Projekte zeichn. u. berechnen.
  • Kerzenständer, Flaschen-öffner, Puzzle, Schmuck, ...

Holz

  • Werkzeuge und Materialien der Holztechnik kennen.
  • Arbeitsregeln erlernen. ü Zeichnungen lesen u. erstellen.
  • Werkstücke berechnen. Projekte: Blumensäule, Nistkasten, Steckspiel, …

Bau

  • Werkzeuge und Materialien der Bautechnik kennen.
  • Grundlagen erlernen.
  • Berechnung u. Zeichnung von Mauerwerken. Kleine Übungsprojekte.

Gartenbau

  • Grundwissen: Pflanzen, Boden, Wetter.
  • Bonsaibäume, Küchenkräuter, Pflanzen für zu Hause.
  • Kreative Floristik und Flecht-arbeiten.

Hauswirtschaft & Ernährung

  • Eine Wohnung mieten und einrichten.
  • Einen Haushalt selbständig führen.
  • Feste vorbereiten und leckereres Essen kochen. Gäste bewirten.

Textil

  • Arbeitsmittel und Materialien kennen.
  • Textile Rohstoffe u. Flächen. ü Erlernen von Arbeitstechniken.
  • Seidentücher, Stickbilder, Handytaschen, Patchwork- topflappen.

Mindestens 2 bis maximal 4 Lernfelder werden kennengelernt. Im Rahmen eines Modellversuchs wird auch eine Schülerfirma angeboten.

Aus Schulfrust wurde Schullust…

Alle Jahre wieder bevor die Sommerferien beginnen gibt es in den Thüringer Schulen Zeugnisse.

Manche werden mit Freude und manche mit Angst in Empfang genommen.   Viele Schüler verlassen jedes Jahr die Schule ohne einen erfolgreichen Abschluss und haben somit kaum Möglichkeiten einen ansprechenden Ausbildungsberuf zu finden. Anastasia kennt dieses Problem noch sehr gut und berichtet:

Als ich noch Schülerin der Regelschule war, fiel mir der tägliche Gang zur Schule sehr schwer. Häufig war ich überfordert und fühlte mich von meinen Lehrern und Mitschülern nicht verstanden. So kam es auch, dass ich die Regelschule ohne Abschluss verlassen habe.

Ich wollte unbedingt meinen Hauptschulabschluss machen, damit ich später bessere berufliche Perspektiven habe. Deshalb meldete ich mich am Staatlichen Berufsbildungszentrum und medizinischen Fachschule Bad Salzungen für das Berufsvorbereitungsjahr an.

Der Unterricht war hier abwechslungsreicher gestaltet und mit vielfältigen praktischen Tätigkeiten hinterlegt. In verschiedenen Fachkabinetten arbeitete ich praxisnah und stellte kleine Projekte her.

Die praktische Tätigkeit machte mir Spaß, rasch stellten sich Erfolge ein und ich ging wieder gerne zur Schule.

Sehr schnell erkannte ich, dass handwerkliches Arbeiten ohne theoretische Kenntnisse nicht gut funktioniert und mit Hilfe des Projektunterrichts wird beides miteinander verbunden. Meine theoretischen Leistungen verbesserten sich Stück für Stück. Dieses Schuljahr werde ich das BVJ-1 erfolgreich mit dem Hauptschulabschluss beenden.

Bisher wusste ich noch nicht so richtig, wie es nun nach dem Berufsvorbereitungsjahr für mich weitergehen soll.   Durch eine Exkursion in einen Schulteil unserer Schule, die Schnitzschule Empfertshausen (Zeitungsbericht vom 20.06.2012 - “Kleine Kunstwerke aus Ton und Holz“), ergaben sich für mich neue berufliche Perspektiven.

Mein Klassenlehrer organisierte für mich ein 3-tägiges Schnupperpraktikum zum Austesten meiner praktischen Fertigkeiten. Das Arbeiten mit Holz hat mir viel Spaß gemacht.   Auf dem Foto zeige ich eine Schale, die ich in den 3 Tagen gefertigt habe.

Nun habe ich mich für eine Ausbildung zum Holzbildhauer entschieden. Das Tolle daran ist, dass ich nach den 3 Jahren auch einen Realschulabschluss anerkannt bekommen kann und sich damit meine weiteren beruflichen Möglichkeiten enorm erweitern werden.

Der Begriff Schulfrust ist somit eine Geschichte aus vergangenen Tagen und ich finde es super, wie sich für mich meine Zukunft gestaltet hat.